Liebe Leserinnen und Leser April 2025
Liebe Leserinnen und Leser! Die April-Ausgabe des Sendboten erreicht Sie mitten in der Fastenzeit. Bis zum Ostersonntag am 20. Tag des Monats sind noch einige Wochen hin. Vielleicht Gelegenheit, das Runder noch einmal herumzureißen und nachzuholen, was ich in der Fastenzeit vielleicht bislang versäumt habe?
In einem Gespräch mit Jugendlichen habe ich gefragt, welche Vorsätze sie sich für die Fastenzeit gefasst hätten. Erstaunlich wenige haben sich gemeldet. Selbst der traditionelle Verzicht auf Süßigkeiten spielt offensichtlich keine große Rolle mehr. Ein junger Kerl hat schließlich frank und frei erklärt: „Ich mache da gar nicht mit.“ Er verzichtet auf die Fastenzeit. Mit meiner Reaktion hat er aber wohl nicht gerechnet. Jedenfalls guckte er zumindest für ein paar Sekunden perplex, als ich erklärte: „Ich mache da auch nicht mehr mit.“ Und ich habe erklärt, dass ich zwar früher aufs Naschen verzichtet habe – aber mittlerweile fehlt mir die Disziplin. Den Vorsatz, keinen Alkohol mehr zu trinken, habe ich zwischenzeitlich auch aufgegeben. Es ist doch alles stressig und schwierig genug. Da noch zusätzlich auf etwas zu verzichten? Nein, da mache ich nicht mehr mit… Zur Ehrlichkeit gehört dann aber auch: Wenn immer alles da ist, wenn ich jederzeit von allem haben kann, dann verpasse ich auch den Glücksmoment, wenn ich nach Wochen des Entbehrens an einem bestimmten Termin wieder etwas „darf“ – dann verpasse ich auch den Glücksmoment, wenn ich mir etwas Besonderes und Schönes gönne. Es wird alles gleich und einerlei.
So viele kirchliche Traditionen und Bräuche in den letzten Jahrzehnten auch über Bord geworfen wurden, bisweilen unter dem Bemühen, endlich modern zu werden: Wir haben uns damit auch etwas genommen. Gewiss gehört ein „Heutigwerden“ dazu. Doch manchmal würde es sich lohnen, im Schatz der Tradition das eine oder andere wieder hervorzuholen – um meiner selbst willen. Bis Ostern ist noch eine Weile hin – und vielleicht kriege ich die Kurve ja doch noch. Nicht um des Verzichtes willen, aber um besser zu spüren, was wichtig ist und worauf ich mich freuen darf.
Sie dürfen sich nun aber zuerst freuen auf eine hoffentlich interessante und bereichernde Lektüre des aktuellen Sendboten. Herzlich grüßt Sie Ihr
Br. Andreas